Wie man mehrere Linux-Distributonen auf ein optisches Medium brennt

Linux-Distributionen gibt es wie Sand am Meer. Da gibt es die, die man für den alltäglichen, produktiven Einsatz auf seinem Desktop-Rechner installieren kann und die, die mit einer Tool-Sammlung als bootfähige Live-CD viel mehr ein Werkzeug für bestimmte Fälle darstellen. Viele davon sind unglaublich praktisch und können einem schon mal den Hintern retten oder die Arbeit am PC vereinfachen. Blöd nur, dass es so viele nützliche Live-CDs gibt. Einige dieser Live-CDs sind so klein, dass man theoretisch fünf oder sechs dieser ISO-Abbildungen auf eine CD drauf bekommen würde, wenn man es nur könnte. Nur könnte?! Mann kann und Frau auch!

Das kleine, aber sehr feine Script multicd.sh erlaubt es mehrere ISO-Abbildungen von ausgewählten Linux-Distributionen auf einen optischen Datenträger zu brennen. Bei den üblichen ISO-Größen der Linux-Distributionen kann man so locker 6 verschiedene Distributionen auf einer einzigen DVD unter bringen, bei “Double Layer”- oder “Double Sided”-Rohlingen (DL-/DS-Rohlinge) sogar doppelt so viele! Wer wiederbeschreibbare Rohlinge wählt, muss bei einer neuen Version der Distribution(en) noch nicht mal die Rohlinge wegschmeissen, sondern bebrennt sie einfach neu. Und wer es klein und handlich mag, besorgt sich einfach wiederbeschreibbare Mini-DVDs, entweder mit der “Standard-Kapazität” von 1,4 GByte oder auch als DL- bzw. DS-Rohlinge, mit der doppelten Kapazität (2,8 GByte pro Rohling). Das spart nicht nur Platz, es ist auch sehr praktisch!

Welche Distributionen derzeit unterstützt werden, erfährt man auf der multicd.sh-Website. Dort kann man sich auch gleich das nur wenige Kilobyte große Script herunterladen.


Und so geht man vor

Nach dem Download des Scripts erstellt man zunächst ein Verzeichnis, in welches das Script verschoben wird. Nun wechselt man in der Shell in das eben erstellte Verzeichnis und macht das Script ausführbar:

chmod +x multicd.sh

Nun sollte man sich überlegen, welche der auf der multicd.sh-Website aufgelisteten und vom Script unterstützten Distributionen man zusammenbringen und welchen Rohling man dafür verwenden möchte. In meinem Beispiel benutze ich einen MiniDVD-DS-Rohling, bei dem ich zunächst nur die eine Seite (1,4 GByte) beschreibe und die andere für andere Zwecke frei lasse.

Bei der Auswahl der Distributionen habe ich mich für eine Art Notfall-DVD entschieden, für die folgende Distributionen zum Einsatz kommen:

  • Clonezilla (etwa 115 MByte): Erlaubt es den Inhalt von z.B. Festplatten zu klonen.
  • GPartEd (etwa 112 MByte): Erlaubt die Partitionierung von Festplatten ohne Datenverluste.
  • PING (Partimage Is Not Ghost) (etwa 26 MByte): Eine kleine, aber sehr feine Distribution, zum Retten und Wiederherstellen von Partitionen und Daten.
  • Parted Magic (etwa 73 MByte): Ähnlich wie GPartEd.
  • System Rescue CD (etwa 245 MByte): Eine Distribution mit einer umfangreichen Tool-Sammlung, um Systeme zu retten/wiederherzustellen.
  • Ultimate Boot CD (etwa 115 MByte): Ähnlich wie die “System Rescue CD”, jedoch nicht grafisch und mit eingen Diagnose-Tools.
  • WeakNet Linux (etwa 645 MByte): Eine Linux-Distribution, die sehr viele Tools mit bringt, um Systeme und Netzwerke auf Sicherheitslücken zu überprüfen.

Das macht zusammen etwa 1.331 MByte unter dem Strich.

Die heruntergeladenen Distributionen (für Links, siehe multicd.sh-Website) müssen, sofern gepackt, zunächst entpackt und in das Verzeichnis mit dem multicd.sh-Script kopiert werden. Anschließend bedarf es einer Umbenennung der ISO-Dateien, damit das multicd.sh-Script diese gleich findet. Beispiel:

Aus systemrescuecd-x86-1.5.0.iso wird sysrcd.iso.
Aus ubcd411.iso wird ubcd.iso.
Aus gparted-live-0.5.2-1.iso wird gparted.iso.

Und so weiter. Wie welche Distributions-ISO genau umbenannt werden muss, steht – wie sollte es auch anders sein – auf der multicd.sh-Website.

Nachdem die Prozedur mit dem Umbenennen der Dateien erledigt wurde, wechselt man in der Shell in das Verzeichnis mit dem multicd.sh-Script und den ISO-Dateien und führt das Script wie folgt aus:

sudo sh ./multicd.sh

Nun dauert es ein wenig. Das Script lädt zunächst einige benötigte Dateien aus dem Internet herunter, bearbeitet die vorhandenen ISO-Dateien und erstellt daraus ein neues ISO-Abbild. Die neuerstellte ISO-Datei lautet anschließend multicd.iso. Diese muss man jetzt nur noch mit einem Brennprogramm – z.B. Brasero (sudo apt-get install brasero) – auf den Rohling brennen und fertig ist die Multi-CD/-DVD!

Startet man nun von der CD/DVD, so erscheint ein Menü, in dem man auswählen kann, welche der vorhandenen Distributionen man nun booten möchte.


Einige Hinweis zum Schluss

Wer sich für wiederbeschreibbare Mini-DVDs entschließt, sollte beachten, dass diese Rohlinge eigentlich für DV-Kameras gedacht sind. Diese Tatsache ist nicht weiter tragisch, einzig die Brenngeschwindigkeit dürfte je nach Rohlingen und vorhandenem Brenner etwas langsamer ausfallen. In meinem Desktop-Rechner kann ich meine Rohline nur mit einfacher Geschwindigkeit brennen. Mein Notebook-Brenner schafft dies immerhin mit der zweifachen Geschwindigkeit.

Übrigens: Der Vorteil bei DVDs gegenüber CDs besteht darin, dass diese meistens deutlich weniger Geräusche im Laufwerk beim Auslesen verursachen. Bei Mini-DVDs kann ich meiner bescheidenen Erfahrung nach sagen, dass diese noch leiser im Laufwerk ausgelesen werden. Außerdem habe ich bisher das unbewiesene Gefühl, dass wiederbeschreibbare Mini-DVDs weniger fehleranfällig sind, als ihre großen Artgenossen – also die “normalen” DVDs. Dies kann aber auch nur Zufall sein.