Typografie-Grundlagen und Sonderzeichen unter Ubuntu Linux

Typografie ist ein interessantes Thema, was man nicht in einem Blog-Beitrag abhaken kann. Daher betrachte ich diesen Beitrag als eine absolute Grundlage, welche das Thema höchstens dezent ankratzt. Wer sich mit dem Thema näher befassen möchte, wird um weiterführende Literatur in Form von Büchern oder spezialisierten Seiten und Foren nicht d’rum herum kommen. Für den Anfang sollte allerdings auch die Wikipedia genügen, um sich das gröbste, des gröbsten Wissens dieses Gebietes anzueignen: http://de.wikipedia.org/wiki/Satzzeichen

Manche kleinen, aber feinen Unterschiede der Typografie sind für Laien nicht sichtbar und folglich sind die kleinen Fehler für die Laien auch nicht schlimm. Bei einem „Profi“ können sie aber durchaus die Haare zu Berge stehen lassen. Natürlich muss man nicht immer und überall auf diese Feinheiten achten, das mache ich zum Beispiel in diesem Blog auch nicht, obwohl ich mir in diesem Beitrag versucht habe etwas mehr Mühe zu geben als sonst. Wer allerdings einen Text wirklich schön aussehen lassen möchte, zum Beispiel um diesen professionell drucken zu lassen, der sollte sich mit den Regeln der Typografie zumindest etwas vertraut machen. Andere – nicht böse gemeint – haben es wiederum bitter nötig sich die Grundlagen der Typografie anzusehen, da sie blutige Anfänger sind, die bei der Verwendung von Satz- und Sonderzeichen selbst einen Typografie-Laien manchmal zum Weinen bringen.


Typo-Beispiele

Hier ein kleines Beispiel: Wie sieht das typografisch korrete Apostroph-Zeichen aus? Oder anders gefragt: Welche der nachfolgenden Schreibweisen ist typografisch korrekt?

  1. Thatˈs it!
  2. That´s it!
  3. That`s it!
  4. That’s it!
  5. That‘s it!
  6. That′s it!

Die Antwort lautet: Es ist die vierte Schreibweise, die typografisch korrekt ist. Nummer eins ist nämlich das Ersatzzeichen für das Apostroph, wie man es links neben der Enter-/Return-Taste findet – auch als Betonungszeichen bezeichnet. Nummer zwei und drei sind Akzent-Zeichen – Akut-Akzent (Nummer zwei) und Gravis-Akzent (Nummer drei). Nummer fünf ist das typografisch korrekte einfache, schließende Anführungszeichen. Nummer sechs ist schließlich das Zeichen für die Bogenminute, also das Zeichen, welches bei der Angabe von Winkelmaßen verwendet wird.

Wie man sieht, gibt es aber alleine in diesem Beispiel sechs unterschiedliche Arten des „Hochkommata“, wie man es vermutlich im Volksmund nennt, und diese Aufzählung ist noch nicht vollständig. Dann gibt es noch Zeichen, die sich – zumindest je nach Schriftart – optisch gar nicht von den eben erwähnten unterscheiden, jedoch aber einen anderen Unicode-Zeichenwert haben. Das ist allerdings noch ein anderes Thema, auf das ich hier nicht zu sprechen kommen möchte.

Ein anderes Beispiel, dessen sichtbare Unterschiede teils auch stark von der verwendeten Schriftart abhängen, sind der Binde- oder Trennstrich, sowie der Gedankenstrich oder das Minus-Zeichen. Das alles bezeichnet man in in der Typografie als „Geviertstriche“, die je nach Länge „Viertelgeviertstrich“ (-), „Halbgeviertstrich“ (–) oder „Geviertstrich“ (—) heißen. Der Gedankenstrich ist hier immer der Halbgeviertstrich, ebenso das Minus-Zeichen. Wort-Trennung findet jedoch immer mit den Viertelgeviertstrich statt.

Es ist auch viel schöner und platzsparender „3 ½“ statt „3 1/2“ zu schreiben oder „5⁶ × 7 ½ ÷ 4“ statt „5^6 * 7 1/2 / 4“. Schöner ist auch: „Ich komme in ± 10 Minuten …”, statt: „Ich komme in +/- 10 Minuten …”.

Ähnlich sieht es auch mit den in diesem Beitrag verwendeten Anführungszeichen „“ aus, im Gegensatz zu den herkömmlichen Ersatz-Anführungszeichen “”, wie sie auch auf der Schreibmaschine zu finden sind. Gerade die Anführungszeichen sind ein wichtiger typografischer Punkt, der je nach Land unterschiedlich ausfällt. So verwenden zum Beispiel die Schweizer und Franzosen «» (Guillemets) statt den in Deutschland üblichen „Gänsefüßchen”.

Korrekte Typografie ist aber nicht nur esthetisch, sondern auch praktisch, denn ein korrekt typografisch aufbereiteter Text ist für den Leser leichter zu lesen, die Informationen schneller aufnehmbar und außerdem optisch womöglich ein Augenschmauß. Und genau da liegt der Hund begraben beziehungsweise der Sinn des Ganzen!

Schriften installieren

Je nach verwendet Schriftart kann es durchaus sein, dass manche der soeben verwendeten Sonderzeichen entweder nicht korrekt oder gar nicht dargestellt werden. Bei der „richtigen“ Schriftart sind allerdings die Unterschiede zumindest in den eben genannten Beispielen sichtbar.

Wer also weitere Schriften unter Linux braucht, muss diese nachinstallieren. Die einfachste Möglichkeit ist, sich im Repostory umzusehen. Im Beispiel von Ubuntu kann man eine Hand voll nützlicher Schriften mit folgender Zeile aus der Shell heraus installieren:

sudo apt-get install msttcorefonts ttf-dejavu ttf-dejavu-core ttf-dejavu-extra

Die Installation beinhaltet einige Microsoft-Schriftarten, wie sie einige von Windows her kennen. Dazu zählen unter anderem „Arial“, „Trebuchet“, „Times New Roman“, sowie „Verdana” und die Schriftart „DejaVu“.

Wer allerdings weitere Schriften, zum Beispiel käuflich erworbene oder freie Schriften von irgendwelchen Seiten installieren möchte, muss wissen wo. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder nur für sich, im eigenen Heimverzeichnis im Ordner /home/BENUTZERNAME/.fonts bzw. ~/.fonts oder für alle Benutzer des Rechners, im Ordner /usr/share/fonts. Existiert der .fonts-Ordner im Heimverzeichnis nicht, so muss man ihn einfach erstellen:

mkdir ~/.fonts

Anschließend kopiert man die Schriften in den jeweiligen Ordner:

cp ./*.ttf ~/.fonts/

Wer die zweite Möglichkeit bevorzugt, sollte die im Ordner /usr/share/fonts/ bereits enthaltene Ordner-Struktur beachten! Folglich kopiert man TrueType-Schriften wie folgt:

sudo cp ./*.ttf /usr/share/fonts/truetype/

Normalerweise führt dies unter Ubuntu einen Prozess aus, der den Zwischenspeicher mit den Schriften aktualisiert. Dieser Vorgang führt in der Regel zu einem erhöhten CPU-Verbrauch und endet – je nach Anzahl der Schriften und verfügbarer Rechenleistung – nach einigen Sekunden. Sollten jedoch einmal nicht alle Schriften nach dem Kopiervorgang (korrekt) angezeigt werden, so muss man von der Shell aus etwas nachhelfen und den Aktualisierungsvorgang für den Zwischenspeicher manuell ausführen:

sudo fc-cache -f -v



Wie die Sonderzeichen auf den Bildschirm kommen

Nun habe ich so lange über die Vorzüge einer korrekten Typografie geschrieben und die tollen Sonderzeichen erwähnt, aber auf der Tastatur ist weit und breit nichts von den vorgestellten Sonderzeichen zu sehen. April, April?

Keineswegs! Hier gibt es zwei Vorgehendweisen: Den „Meta-Key“ und den „Compose-Key“. Beide Varianten ergänzen sich, bieten jedoch auch redundante Möglichkeiten, ein und die selben Sonderzeichen einzugeben, jedoch auf unterschiedliche Weisen. In beiden Fällen gehen wir von einer deutschen Tastatur und Tastaturbelegung aus.

Schauen wir uns zunächst den Meta-Key an. Der Meta-Key ist die Taste direkt neben der Leertaste, und zwar „Alt Gr“.

Drücken wir auf 7, so erhalten wir ein 7. Völlig klar, schließlich steht das Zeichen ja auch auf der Tastatur.
Drücken wir Shift + 7, so erhalten wir /. Auch klar.
Durch das Drücken von Alt Gr + 7 erhalten wir {. Auch irgendwie logisch.
Wenn wir aber Shift + Alt Gr + 7 drücken, so erhalten wir .

Wir stellen also fest: Die Tasten sind in vier Teile eingeteilt.

Tastenbelegung

Genauso können wir es auch mit allen anderen Tasten ausprobieren. Manche Tasten sind allerdings so genannte „tote Tasten“. Das bedeutet, dass das Drücken der Taste kein Zeichen ausgibt, erst das erneute Betätigen der Taste führt zur Ausgabe eines Zeichens am Bildschirm. Eine solche Taste ist z.B. ^ (unter der Esc-Taste), die man durch das doppelte Drücken zur Ausgabe eines Zeichens am Bildschirm bewegen kann. Diese Tasten sind deshalb „tot“, da man sie mit anderen Tasten verwenden kann. Beispiel: ^ und anschließend a ergibt ein â.

Um sich die Tasten besser merken zu können oder vielleicht auch nicht merken zu müssen, kann man sich jedes unter Ubuntu eingestellte Tastatur-Layout auch ausdrucken. Auf diesem erscheinen dann auf den jeweiligen Tasten auch die Sonderzeichen bzw. „toten Tasten“. Irgendwo an die Wand gepinnt oder griffbereit abgelegt, kann man so schnell auf den „Spickzettel“ schielen.

Und so gelangt man an den Ausdruck des Tastatur-Layouts: Im Menü System → Einstellungen → Tastatur klickt man auf den Karteireiter Belegung, wählt dort unter Gewählte Belegungen: das gewünschte Tastatur-Layout aus und klickt auf Drucken, um den Druck-Dialog aufzurufen.

Tastatur-Layout

Doch nun zum „Compose-Key“. Diese Taste ist für gewöhnlich unter Ubuntu nicht aktiviert, kann jedoch unter System → Einstellungen → Tastatur, Karteireiter Belegungen über Belegungseinstellungen und dort unter Position der Compose-Taste eingestellt werden. Ich benutze dafür an meinem Laptop die rechte Strg- beziehungsweise Ctrl-Taste, da ich keine rechte Windows-Taste habe. Für Tastaturen, auf denen die rechte Windows-Taste vorhanden ist, empfiehlt es sich vielleicht diese zu verwenden. Wer mag, kann dort aber auch gleich mehrere Tasten als die Compose-Taste definieren.

Nach aktivierung dieser Taste, kann man diverse Tasten als zusätzliche „Dead-Keys“, also „tote Tasten“, verwenden. Einige Beispiel dazu:

Compose-Key + Shift + 7 und anschließend o ergibt ø.
Compose-Key + o und anschließend a ergibt å.
Compose-Key + o und anschließend c ergibt ©.
Compose-Key + e und anschließend e ergibt ə.
Compose-Key + # und anschließend # ergibt .
Compose-Key + < und anschließend < ergibt «.

Näheres zum Compose-Key findet sich auf der Ubuntu-Seite: https://help.ubuntu.com/community/ComposeKey

Mich würde allerdings noch interessieren, ob es für den Compose-Key eine druckbare Tastatur-Belegung gibt. Falls jemand etwas dazu weiß, so würde ich mich über einen Kommentar sehr freuen.


Tiefgestellte Ziffern und Zahlen (Update 13. Juni 2010)

Nun gibt es auch die Möglichkeit tiefgestellte Ziffern und Zahlen einzugeben. Dies ist z.B. im Bereich der Chemie sehr sinnvoll. Bestes Beispiel: CO₂. Um tiefgestellte Ziffern und Zahlen eingeben zu können, drückt man die Meta-Taste und drückt einmal, bei ebenfalls gedrückter Shift-Taste das Ä. Anschließend kann man die Tastenkombination wiederloslassen und eine beliebige Ziffer drücken, welche tiefgestellt ausgegeben wird.

Beispiel:

Meta-Taste (Alt Gr) + Shift + Ä und anschließend 2 ergibt .


Zusätzliche Tools

Es gibt noch einige sehr nützliche Tools, die sich im Ubuntu-Repository finden und welche man sich unbedingt anschauen sollte. Sicherlich gibt es noch einige mehr, aber hier möchte ich zunächst vier besonders nützliche Tools vorstellen. 

Zeichentabelle
Bereits vorinstalliert sollte die Zeichentabelle sein. Bei dem Vorinstallierten Tool handelt es sich um eine Zeichentabelle, wie sie auch von anderen Betriebssystemen her sicherlich bekannt ist. Zu finden ist dieses Tool im Menü Anwendungen → Zubehör.

Zeichentabelle

Zeichenpalette
Das zweite Tool, ist das Zeichenpalette-Applet für das Gnome-Panel. Einmal in einem Panel abgelegt, kann sich damit seine eigenen Sonderzeichen-Paletten anlegen. Einmal eine Sonderzeichen-Palette üÜber das Menü aktiviert, stehen einem anschließend die zusammengestellten Sonderzeichen zur Verfügung. Nun kann man mit einem Links-Klick auf das gewünschte Sonderzeichen dieses in den Zwischenspeicher kopieren und es anschließend an der gewünschten Position mit der mittleren Maustaste oder der Tastenkombination „Strg + V“ beziehungsweise „Ctrl + V“ einfügen.

Gnome-Applet: Zeichenpalette

Dieses Tool ist vor allem dann nützlich, wenn man viele zusätzliche Schriftzeichen verwendet, zum Beispiel für die Mathematik oder für andere Sprachen, diese aber nicht über die Tastatur eingeben kann oder sich die dafür notwendigen Tastenkombinationen merken möchte.

Unter Ubuntu sollte die Zeichenpalette unter den Standard-Applets für Gnome zu finden sein.

Fontmatrix
Fontmatrix ist eine Schriftenverwaltung, mit der man sich die auf dem System installierten Schriftarten, Schriftschnitte und ihre Eigenschaften übersichtlich anschauen kann. Zusätzlich erhält man zu jeder Schrift diverse interessante Informationen.

Fontmatrix

Installation:

sudo apt-get install fontmatrix



Specimen
Ähnlich wie Fontmatrix, allerdings etwas abgespeckter, wer es übersichtlicher und puristischer mag.

Gnome-Specimen

Installation:

sudo apt-get install gnome-specimen
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