Sicher löschen: RAM, Dateien, Swap und freien Speicherplatz unter Linux

Über Sinn, Unsinn und Paranoia bezüglich des sicheren Löschens von Daten kann man ausgiebig diskutieren. Wie viel Sinn es tatsächlich macht seine Daten sicher zu löschen und ob es den Zeitaufwand wert ist, das möchte ich hier offen lassen. Möge das jeder für sich entscheiden. Fakt ist: Das sichere Löschen dauert deutlich länger und kostet mehr Rechenzeit als das gewöhnliche Löschen, da der zu löschende Datenbereich mehrmals überschrieben wird und die dafür nötigen Zufallsdaten generiert werden müssen.

Wer sich dafür interessiert, findet im Repository seiner Distribution sicherlich irgendwo das Paket „secure-delete“, welches auf Ubuntu/Debian-Systemen mittels folgender Zeile aus der Shell heraus installiert werden kann:

sudo apt-get install secure-delete

Wer das Paket im Repository seiner Distribution nicht findet, kann es sich über die Seite des Autos herunterladen, in dem er dort nach „secure delete“ sucht: http://freeworld.thc.org

Die Tool-Sammlung besteht aus vier Befehlen für die Kommandozeile: sdmem, sfill, srm und sswap. Wer diese Befehle effektiv nutzen möchte, sollte sie am besten mit Root-Rechten ausführen (mit einem vorgesetzten sudo unter Ubuntu zum Beispiel). Da die Befehle sdmem und sfill den freien Speicher überschreiben, ist ihr Einsatz noch effektiver, wenn Programme bereits geschlossen wurden, die sensible Daten im Arbeitsspeicher oder temporär auf Festplatten gespeichert lassen könnten.

WICHTIG: Vorsicht im Umgang mit den Befehlen srm und sswap! Wer nicht aufpasst, kann damit versehntlich wichtige Daten löschen! Für Datenverluste welcher Art auch immer übernehme ich daher keine Verantwortung.



Secure-Delete im Überblick

sdmem: Überschreibt den vorhandenen Arbeitsspeicher sicher.

sfill <VERZEICHNIS>: Überschreibt den freien Speicherplatz auf der Festplatte. Wer möchte kann auch ein Verzeichnis angeben, dann werden alle freien Inodes eines angegebenen Verzeichnisses sicher gelöscht.

Beispiel:

sfill /home/mein_account/

srm <DATEI>: Löscht wie der Befehl rm Dateien bzw. mit der Option -r auch rekursiv Verzeichnisse – nur eben sicher, durch mehrmaliges Überschreiben.

Beispiel:

srm Dokument.doc

sswap /dev/[Partition]: Löscht die Swap-Partition durch mehrmaliges Überschreiben sicher.

Die Swap-Partition muss für diesen Prozess zunächst deaktiviert werden: swapoff -a. Nach Beendigung des Löschvorgangs kann die Swap-Partition wieder aktiviert werden: swapon -a. Da swapon/swapoff -a dazu führt, dass alle Swap-Partitionen deaktiviert werden und man eventuell nur eine bestimmte Swap-Partition aktivieren/deaktivieren möchte, kann man dies auch mittels swapon/swapoff -U <UUID> tun.

Wer sich unsicher ist wie die UUID seiner Swap-Partition lautet oder wo diese überhaupt im System verankert ist, kann dies mit dem Befehl blkid einsehen. Die Swap-Partition trägt am Ende der Zeile die Bezeichnung: TYPE=”swap”.

Beispiel:

sswap /dev/sda5

Alle Befehle unterstützen die Optionen -f und -l

Der Schalter -f steht für „fast“, zu Deutsch: „schnell“. Er führt den Löschvorgang deutlich schneller aus, da er nicht auf das Device-File /dev/urandom des Systems zugreift, welches Zufallsdaten produziert. Dieser Vorgang ist jedoch auch unsicherer!

Der Schlater -l steht für „lessens the security“, was so viel bedeutet wie „mit verringerter Sicherheit“. Die Daten werden nur in zwei Durchgängen überschrieben. Es wird daher empfohlen diesen Vorgang anschließend noch ein zweites Mal durchzuführen.

Übrigens: Wer sich für weitere Schalter/Optionen der jeweiligen Befehle sowie deren Löschprozedur und Hintergrundinformationen interessiert, kann zu jedem Befehl eine Manpage aufrufen:

man sdmem
man sfill
man srm
man sswap

Daten in den Wolken

Viele Menschen speichern heute ihre Daten “in der Cloud”. Wem das nichts sagt, der schaut zunächst daher, als wäre er/sie aus allen Wolken gefallen. Gemeint ist damit die Speicherung von Daten im Internet. Da der Zugriff meistens über eine intuitive und Betriebssystem-ähnliche GUI geschieht und die Daten von überall abrufbar sind, entsteht der Eindruck, man greife in die Luft.

Wirklich neu ist das nicht, denn schon vor Jahren hat es solche Anbieter gegeben, nur fehlte damals bei vielen die Client-Software und viele Nutzer solcher Dienste waren noch mit ISDN oder einem Modem unterwegs, was den Einsatz solcher Dienste eher zu einer Geduldsprobe machte. Der Upstream ist heute in der Regel etwas höher, der Downstream ohnehin, da macht es Sinn sich solche Anbieter erneut anzusehen, zumal diese im Moment wieder gewissermaßen “in” zu sein scheinen.

Es folgt eine Liste mit von mir gefundenen, getesteten und für gut befundenen Anbietern, für die Speicherung von Daten in der Cloud. Hierbei handelt es sich einzig und alleine um Anbieter, die zum gegebenen Zeitpunkt Client-Software für Linux-Systeme anbieten oder um solche, die einen Betriebssystem-unabhängigen WebDAV-Zugriff gewähren und bei denen der Dienst nichts kostet. Bei allen hier gelisteten WebDAV-Anbietern funktioniert übrigens der Zugriff unter Ubuntu über “Orte”“Verbindung zu Server …” auch über sicheres WebDAV (HTTPS).

Und im übrigen empfehle ich eine redundante Speicherung von zumindest wichtigen Daten – sprich ein und die selben Daten bei mindestens zwei unterschiedlichen Anbietern gelagert. Das hat den Vorteil, dass man im Störfall, bei Aufgabe des kostenlosen Dienstes oder gar bei einem Insolvenzfall des Anbieter immer noch an seine Daten kommt. Zudem kann man so eventuelle Breitband-Beschränkungen und somit lange Download-Zeiten verhindern, in dem man einen Teil der Daten von Anbieter X und einen Teil der Daten von Anbieter Y lädt.

Aber nun zunächst zu den Client-basierten Anbietern.

Dropbox
- 2 GByte Speicher, auf 5 GByte erweiterbar (durch Werben von Nutzern)
- Synchronisation zwischen mehreren Rechnern möglich
- vom benutzten Betriebssystem her bekanntes “Drag & Drop”-Prinzip
- Daten-Sharing und Freigabe von Bildern möglich
- lokal gespeicherte Daten werden mit der Cloud synchronisiert

SpiderOak
- 2 GByte Speicherplatz (nur kostenpflichtig erweiterbar)
- in erster Linie für Backups gedacht
- Datenübertragung über speziellen Client möglich
- Backups von mehreren Rechnern aus möglich

Ubuntu One
- 2 GByte Speicherplatz (nur kostenpflichtig erweiterbar)
- Synchronisation zwischen mehreren Rechnern möglich
- vom benutzten Betriebssystem her bekanntes “Drag & Drop”-Prinzip
- Daten-Sharing möglich
- lokal gespeicherte Daten werden mit der Cloud synchronisiert
- nur für Ubuntu (Linux) verfügbar

ZumoDrive
- 1 GByte Speicher, auf 2 GByte erweiterbar (durch Teilnahme am Tutorial)
- Synchronisation zwischen mehreren Rechnern möglich
- vom benutzten Betriebssystem her bekanntes “Drag & Drop”-Prinzip
- Daten-Freigabe möglich
- Daten werden direkt in der Cloud gespeichert

Und hier die Anbieter mit WebDAV-Zugriff. Dazu noch ein kleiner Hinweis: Einige der Anbieter haben eine Beschränkung in der maximalen Dateigröße. Das herauszufinden, überlasse ich jedem selbst, da ich das nicht mehr im Kopf habe.

box.net
- 1 GByte Speicherplatz
- mehrere Gast-Zugänge möglich

GMX
- 1 GByte Speicherplatz
- Freigabe von Daten möglich

myDisk
- 2 GByte Speicherplatz
- Daten-Sharing und Freigabe von Fotos und Daten möglich
- als Webspace für eigene Homepage einsetzbar

MyDrive
- 2 GByte Speicherplatz
- ein Gast-Zugriff möglich
- Server-Standort ist die Schweiz